IGP steht für Internationale Gebrauchshundeprüfung — und wer einmal dabei zugeschaut hat wie ein Malinois eine Fährte arbeitet, wie ein Rottweiler mit konzentriertem Blick durch die Unterordnungsübungen geht, oder wie ein Hund im Schutzdienst völlig kontrolliert agiert, der versteht warum dieser Sport so viele Menschen fasziniert. Es ist Hundesport auf höchstem Niveau. Es ist aber auch einer der anspruchsvollsten Wege die man mit einem Hund gehen kann.
Dieser Artikel gibt dir einen ehrlichen Überblick: was IGP ist, was es verlangt, wie lange es dauert — und was die meisten Anfänger unterschätzen.
Was ist IGP?
IGP (früher bekannt als IPO oder Schutzhund) ist ein dreiphasiger Leistungssport der vom DVG (Deutscher Verband der Gebrauchshundsportvereine) und international von der FCI ausgetragen wird. Die drei Phasen heißen A (Fährtenarbeit), B (Unterordnung) und C (Schutzdienst). Jede Abteilung ergibt maximal 100 Punkte, die Gesamtpunktzahl beträgt maximal 300.
Der Sport wurde ursprünglich entwickelt um die Arbeitsfähigkeit von Diensthunden zu testen. Heute ist er ein vollständiger Wettkampfsport — mit Weltmeisterschaften, nationalen Meisterschaften und einem klar geregelten Prüfungssystem.
Die drei Prüfungsstufen
IGP gibt es in drei Schwierigkeitsstufen, aufbauend aufeinander:
- IGP1 — Einstiegsstufe. Fährte über 300–400 Schritte mit zwei Winkeln und zwei Gegenständen. Unterordnung mit Grundübungen. Schutzdienst: Reviersuche, Halten und Bewachen, Angriff und Rücktransport.
- IGP2 — Mittelstufe. Fährte auf circa 600 Schritte, mehr Winkel, gealtert. Unterordnung mit Freifolge, Schußgleichgültigkeit, Ablegen unter Ablenkung. Schutzdienst mit erweiterter Abfolge.
- IGP3 — Höchststufe. Fährte über 800 Schritte, stark gealtert (bis 60 Minuten), mehrere Winkel, drei Gegenstände. Vollständige Unterordnung inklusive Apportieren über Schräge und Sprung. Erweiterter Schutzdienst.
Die Voraussetzung: Die BH-Prüfung
Bevor ein Hund an einer IGP-Prüfung teilnehmen darf, braucht er die BH — die Begleithundprüfung. Sie ist kein Leistungssport, sondern ein Nachweis dass der Hund verkehrssicher und sozialverträglich ist. Und sie ist ernster als viele denken.
Die BH besteht aus zwei Teilen:
- Unterordnung vor dem Richter: Freifolge, Sitz aus der Bewegung, Platz aus der Bewegung, Ablegen mit Herankommen. Alles an der Leine, dann frei.
- Verkehrseignungstest: Der Hund geht mit Halter durch eine simulierte Alltagssituation — Fahrradfahrer, Gruppe von Menschen, Jogging-Läufer, laute Geräusche. Der Hund darf sich nicht unkontrolliert verhalten, muss aber keine Prüfungsübungen zeigen.
Phase A: Die Fährtenarbeit
Die Fährte ist für viele Halter die überraschendste Abteilung — und die schwerste. Ein Fährtensucher (meist der Halter selbst, im fortgeschrittenen Bereich auch eine Fremdperson) legt eine Fährte durch Gelände, lässt sie altern, und der Hund muss sie später nasengenau folgen. Auf dem Weg liegen Gegenstände die der Hund anzeigen muss — meistens durch Liegen oder Verweisen.
Was die Fährte so schwierig macht: der Hund muss selbstständig arbeiten. Der Halter folgt am langen Fährtenseil (10 Meter), darf aber nicht helfen, korrigieren oder führen. Die Fährtentreue — das Bleiben auf der exakten Linie, nicht das Überqueren der Fährte — ist entscheidend.
Viele Hunde haben eine natürliche Fährtenmotivation. Andere müssen sie erst entwickeln. Entscheidend ist die Aufbauarbeit: richtig kleine Stücke, hohe Belohnung, niemals überfordern.
Phase B: Die Unterordnung
Unterordnung im IGP ist präzise, rhythmisch und verlangt absolute Konzentration vom Team. Die Übungen umfassen je nach Stufe:
- Freifolge mit Richtungswechseln, Kehrtwendungen, Tempowechseln
- Sitzen, Liegen und Stehen aus der Bewegung
- Schußgleichgültigkeit (der Hund reagiert nicht auf Schußgeräusche)
- Apportieren (flach, über Schräge, über Sprung bei IGP2 und IGP3)
- Voraussenden mit Ablegen
- Ablegen unter Ablenkung
Was IGP-Unterordnung von einfacher Gehorsamkeitsarbeit unterscheidet: der Hund soll nicht nur gehorchen — er soll mit Freude und Energie arbeiten. Ein hängendes Köpfchen oder hängende Rute wird vom Richter negativ bewertet. Der ideale IGP-Hund hat funkelnde Augen auch in der zwanzigsten Wiederholung.
Phase C: Der Schutzdienst
Der Schutzdienst ist die am meisten missverstandene Abteilung. Viele Menschen denken bei "Schutzhund" an aggressives Training. Das Gegenteil ist wahr: ein gut ausgebildeter IGP-Schutzhund ist ein ruhiger, beherrschter, charakterfester Hund. Nur auf spezifisches Signal reagiert er, und auf dasselbe Signal lässt er sofort los.
Der Abrichter (Helfer) trägt einen gepolsterten Arm und agiert nach festgelegtem Schema. Der Hund muss:
- Das Revier absuchen und den Helfer finden und verbellen
- Den Helfer beim Bewachen kontrollieren ohne ihn zu berühren
- Beim Angriff packen und nach Signal sofort loslassen
- Einen fliehenden Helfer stellen und anbellen (nicht beißen)
- Einem Stock- oder Drohungsangriff standhaft begegnen
Welche Hunderassen eignen sich für IGP?
In der Theorie: alle. In der Praxis dominieren bestimmte Rassen. Nicht weil andere Hunde es nicht könnten, sondern weil IGP körperlich und mental sehr anspruchsvoll ist und manche Rassen dafür schlicht besser ausgerüstet sind.
Häufig bei IGP:
- Belgischer Schäferhund (Malinois) — Weltspitze, enorme Energie und Drive
- Deutscher Schäferhund — die klassische IGP-Rasse, ausgewogen
- Rottweiler — kraftvoll, beständig, großartige Charakterhunde
- Dobermann — elegant in der Unterordnung, stark im Schutzdienst
- Bouvier des Flandres, Hovawart — weniger verbreitet, aber erfolgreich
Entscheidend ist letztlich der Einzelhund: sein Charakter, sein Triebpotenzial, seine Belastbarkeit. Kein Stammbaum ersetzt den richtigen Hund.
Wie lange dauert die Ausbildung?
Das ist die Frage die Anfänger am häufigsten stellen — und die ehrlichste Antwort lautet: es kommt darauf an. Ein BH in 6 Monaten ist realistisch für einen motivierten, talentierten Hund mit konsequentem Training. IGP1 in einem Jahr ist möglich aber ambitioniert. Viele Teams brauchen 2–3 Jahre bis zum IGP1, und das ist völlig normal.
Was die Zeit beeinflusst:
- Wie oft und wie gezielt trainiert wird (zwei bis drei Mal pro Woche ist Minimum)
- Die Begabung und das Temperament des Hundes
- Die Qualität des Trainers
- Ob Rückschläge (Krankheit, Verletzung, Motivationslöcher) eintreten
Fazit
IGP ist kein Sport für Ungeduldige. Es ist ein langer Weg, voller Frustration, Rückschläge, aber auch voller Momente die einem die Sprache verschlagen. Wenn der Hund nach Monaten des Aufbaus die erste richtige Fährte sauber abarbeitet, wenn die Unterordnung plötzlich rund läuft, wenn das Team im Schutzdienst als Einheit funktioniert — dann versteht man warum Menschen dafür jahrelang früh aufstehen, bei Regen trainieren und Urlaub auf dem Vereinsgelände verbringen.
Finde einen DVG-Verein in deiner Nähe, lass dich von einem erfahrenen Trainer einschätzen — und dann geh es an.